Die aktuellen Enthüllungen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) über gravierende Missstände in einem Ferkelaufzuchtbetrieb in Köselitz (Sachsen-Anhalt) sorgen erneut für öffentliche Empörung. Die gezeigten Bilder von kranken, verletzten und verendeten Tieren stehen beispielhaft für Probleme, die seit Jahren immer wieder in der Nutztierhaltung sichtbar werden.
Aus Sicht des Tierschutznetzwerks Kräfte bündeln darf die Diskussion jedoch nicht bei einzelnen Betrieben oder einzelnen Verantwortlichen enden. Vielmehr muss die Frage gestellt werden, warum solche Zustände trotz bestehender Kontrollen, gesetzlicher Vorgaben und verschiedener Zertifizierungssysteme immer wieder auftreten.
„Seit Jahren dokumentieren Tierschutzorganisationen, Journalistinnen und Journalisten sowie Fachleute vergleichbare Missstände. Dennoch bleiben grundlegende Veränderungen aus“, erklärt die Sprecherin des Netzwerks, Dr. med. vet. Claudia Preuß-Ueberschär.
Besonders kritisch bewertet das Netzwerk die Rolle von Kontroll- und Zertifizierungssystemen sowie die Einflussnahme von Vertretern der Tiernutzungsbranche auf politische und fachliche Entscheidungsprozesse. Auch Programme wie die Initiative Tierwohl müssten sich angesichts solcher Vorfälle der Frage stellen, wie wirksam ihre Kontrollen tatsächlich sind und welchen konkreten Nutzen die Tiere daraus ziehen.
Das Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln fordert daher:
- unabhängige und unangekündigte Kontrollen aller Tierhaltungsbetriebe
- vollständige Transparenz über Verstöße und behördliche Maßnahmen
- wirksame Sanktionen gegen Verantwortliche
- eine kritische Überprüfung bestehender Kontroll- und Zertifizierungssysteme
- einen grundlegenden Wandel der Tierhaltung, der die Interessen und Bedürfnisse der Tiere in den Mittelpunkt stellt
Die zentrale Frage lautet aus Sicht des Netzwerks nicht mehr, warum solche Bilder immer wieder auftauchen. Die entscheidende Frage ist vielmehr, warum ein System, das solche Zustände regelmäßig hervorbringt, gesellschaftlich und politisch weiterhin akzeptiert wird.
Die Pressemitteilung im PDF-Format ist hier abrufbar.



